#Psychopharmaka

Heilung auf Knopfdruck oder eher die Dauertaste?

Nun widme ich mich doch wieder diesem Thema Psychopharmaka. Es ist so ein Hin und Her. Einerseits möchte ich das Thema ruhen lassen, aber dann kommt es doch immer wieder mal in meine Gedanken. Es war doch eher mein fester Entschluss, dieses Thema ruhen zu lassen. Nun sah in heute auf Facebook, dass immerhin ganze 6 Personen meine Seite dort aufgerufen haben. Ich war sogar überrascht, dass es immerhin 6 Personen waren. Nicht viel, aber auch diese geringe Anzahl hat mich überrascht.

Ich habe diese Seite begonnen aus zweierlei Gründen. Der erste Grund war, dass vielleicht ein Austausch entstehen könnte, dass Leute, die auch schon mit Psychopharmaka in Berührung gekommen sind, sich öffnen, aus Ihrer eigenen Sicht einfach mal darüber schreiben oder auch nur darüber lesen, weil es ja ganz unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen dazu gibt. Ich gehe ja davon aus, dass es die Personen sind, die ganz allgemein nicht so stabil sind. Es fängt an bei Belastungen und Stresssituationen, die man meint ohne fremde Hilfe nicht in den Griff bekommen zu können. So fängt es meistens an. Man hat zunächst nur die Absicht, dass man vorübergehend ein Beruhigungsmittel oder ein Mittel einnimmt, das einem bei den Belastungen hilft, die man aus eigener Kraft nicht mehr bewältigen kann. So möchte man eben nachhelfen mit einem Stärkungsmittel, um sich über eine schwierige Zeit hinwegzuhelfen bis das Schlimmste überstanden ist, oder erst mal eine Linderung erreichen möchte, dass man den Alltag so weiterführen kann, ohne dass man meint, daran zu verzweifeln oder als instabil und für die Umwelt als labile Person durch das Leben zu gehen. Auch weil man ja schon oft genug versucht hat, das Problem mit Freunden, Familie, Bekannten zu besprechen, dann aber bemerkt, dass die Situation einem selbst doch wie unverändert erscheint. Man merkt, dass eigenes Bemühen und selbst die gut gemeinten Hilfsangebote oder Ratschläge einen nicht weitergebracht haben. Man tritt irgendwie auf der Stelle, weil ein schlechter Zustand nicht zum Dauerzustand werden sollte. Das kann nicht sein, sagt man sich. Oder auch ein ganz plötzlicher Schicksalsschlag, der die einen umwirft, die anderen nicht. Die stärkeren Naturen stecken das weg und werden stärker draus. Was mich nicht umhaut macht mich stärker. Oder auch nicht. Denn oftmals verdrängt man nur und das Leid, das man verdrängt hat, holt einen später wieder ein. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn man in eine ähnliche Situation gerät, die einen an das schlimme Leid von damals erinnert. Man reagiert irgendwie verzerrt darauf, weil man das Problem mit dem alten Problem vermischt. Es kann sogar sein, dass man das Problem überbewertet aus der Befürchtung heraus, es könnte wieder alles so ablaufen wie damals. Man verwechselt es mit der schlimmen Situation aus der Vergangenheit. Dabei übersieht man, dass es jedoch nur eine gewisse Ähnlichkeit hat und malt sozusagen „den Teufel von damals“ gleich mit an die Wand.

So ist es immer eine persönliche Einstellungssache, wie man meint, mit den Dingen fertig werden zu können. Ich meine also diese psychischen Symptome, die sich dann aber zu körperlichen Symptomen auswachsen können. Um das zu vereinfachen spreche ich mal allgemein von Stress, egal durch was er ausgelöst wurde und wie schlimm das Ereignis oder die Dauerbelastung war. Man stellt mit der Zeit beispielsweise fest, dass da ein Dauerkopfschmerz ist, eine Dauerverspannung, die in einen Dauerrückenschmerz übergeht, eine Magenverstimmung, die man nicht los wird, oder ein Herzrasen, oder sonst irgend eine körperliche Überreaktion. Der Arzt kann aber leider keine klassische körperliche Krankheit zuordnen und gibt den Hinweis, dass es nervlich oder psychisch bedingt sein könnte.

Nun gibt es da ja die bekannten verschiedensten Varianten und Empfehlungen, auf die ich nicht weiter eingehen möchte, weil das von Arzt zu Arzt völlig unterschiedlich ausfallen kann. Nennen möchte ich nur einige Möglichkeiten wie Gesundheitstipps zur Entspannung, gesunde Ernährung, mancher macht eine Kur, oder die dringende Empfehlung auf direktem Weg zu dem empfohlenen Facharzt für psychische Erkrankungen zu gehen.

Der nächste Schritt, den man dann gehen kann, ist der Versuch, mit Entspannungstechniken oder sportlichen Übungen einen Ausgleich zu schaffen. Ist das aber fehlgeschlagen, macht man sich den Vorwurf, dass das alleine nicht ausreicht, man nimmt sich nicht genügend Zeit dafür oder macht sonst irgend einen Fehler, weil es ja bei anderen Leuten funktionieren mag. Früher oder später landet man ja dann bei dem Arzt, der die entsprechenden Psychopharmaka empfiehlt oder verschreibt, ob Facharzt oder, was auch bekannt ist, ein Allgemeinarzt. Je nachdem, welche Art von Psychopharmaka verordnet wird. Man verspricht sich als schnellste Lösung dann eben den Weg der Einnahme dieser Art von Medikamenten, um Ängste und Stress oder Depressionen zu lindern oder gar zu beseitigen, die man anders eben nicht in den Griff gebracht hat. Man sagt sich, nur vorübergehend, bis die erste Besserung eintritt. Dann geht es auch ohne wieder.

Und nun komme ich zum Knackpunkt. Denn was ist in den Fällen, wo es zu einer Dauereinnahme solcher Mittel kommt. Nur diese Fälle meine ich. Es heißt ja nicht, dass gleich jeder Patient, der mal vor einer Operation ein Beruhigungsmittel verabreicht bekommt, gleich bei der Dauereinnahme von Beruhigungsmitteln landet. Das Mittel wurde ja nur im Zusammenhang mit der bevorstehenden Operation verabreicht. Der Patient wird nach bestandener Operation wieder entlassen und das war es dann auch schon. Operation gelungen – Patient gesund – und gut ist.

Dann gibt es noch eine zweite Klientel, die nicht nur unter Stresssymptomen leidet, sondern die als psychisch krank eingestuft sind. Verordnet werden dann, zumindest, was mir bekannt ist, Antidepressiva oder Neuroleptika oder beides in Kombination. Und hier sind die Erfahrungen auch wieder unterschiedlich von vorübergehend bis dauerhaft. Um das jetzt noch weiter einzugrenzen, spreche ich von dauerhaft im Sinne von vielen Jahren oder sogar über ein Jahrzehnt, da bei diesen Medikamenten, im Gegensatz zu den Benzodiazepinen, ja nicht davon ausgegangen wird, dass sie abhängig oder süchtig machen. Aber trotzdem ist es ja so, dass die Patienten mit der Dosis „eingestellt“ werden müssen. Also eine Gabe immer in einem gewissen Maß im Körper vorhanden sein muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Von dieser Dosierung hängt es dann ab, wie die Lebensqualität ist.

Und hier stellt sich mir die Frage: Wie tolerant kann ich diesbezüglich sein. Wie gerechtfertigt ist meine Skepsis, die ich der Langzeitverabreichung solcher Medikamente gegenüber habe? Oder haben sie, wenn sie über sehr lange Zeiträume eingenommen werden, nicht einen Heilungseffekt gleich Null? Oder im schlimmsten Fall, können sie nicht sogar einen „Totalschaden“ verursachen, dass der Patient in der Drehtür landet, zum „Dauergast“ bei Ärzten und Krankenhäusern/Psychiatrien wird? Oder im schlimmsten Fall sogar ein Beschleunigungseffekt daraus wird im Hinblick auf Nebenwirkungen, die zu irreparablen Schäden führen können, die dann ein böseres Bild einer Erkrankung abliefern, das vom ursprünglichen „Problem“ nichts mehr übrig lässt, weil sich der Zustand nur immer mehr verschlechtert statt bessert? Was soll das mit einer Heilung zu tun haben? Heilung bedeutet ja eigentlich, dass der Patient nicht über Jahrzehnte in Behandlung ist mit dem Effekt, dass die Krankheit noch immer drastischer fortschreitet.

Das wäre ja dann vergleichsweise wie bei einem Krebs, der unheilbar ist, aber dennoch immer weiter mit einer Chemotherapie behandelt werden muss. Und diese Chemotherapie nie ein Ende findet. Selbst eine Chemotherapie hat ja mal ein Ende. Was bedeutet, da gibt es ein Ergebnis insofern, dass die Chemotherapie abgeschlossen wird. Zwar wird dann nachkontrolliert, aber zumindest ist ein definitiver Abschluss der Behandlung absehbar. Nun, ich gebe zu, es ist schon absurd, diesen Vergleich zu ziehen. Ich merke, dass er irgendwie hinkt. Aber wie ist es mit dem Genesungsprozess? Nach einer aggressiven Chemotherapie muss der Körper genesen. Dazu braucht er die Abstinenz von weiteren Gaben, weil ja die Chemotherapie gewirkt hat, der Körper erholt sich und baut im günstigen Verlauf seine Selbstheilungskräfte langsam wieder auf. Der Körper bekommt die Chance, sich von alleine wieder zu regenerieren.

Das sollte bei schweren psychischen Erkrankungen auch der Fall sein. Dies sind die Gedanken, die ich zum Thema Psychopharmaka hier auf meinem Gedankenmosaikblog heute auf WordPress veröffentlichen möchte. Es geht mir um die Relation von Wirkungen und Nebenwirkungen. Irgendwie liegt das bei mir im Dunkeln. Denn eine Chemotherapie kann nach ihrer Beendigung auch abrupt beendet werden. Ganz einfach, wenn sie beendet ist. Und was bei mir so im Dunkeln schwebt ist die Beendigung mit Psychopharmaka. Diese, so erfährt man, müssen langsam abgesetzt werden. Auch die Warnungen, die ich schon vernommen habe, dass es zu schlimmen Ergebnissen kommen kann, wenn diese Mittel nicht richtig „ausgeschlichen“ werden. Warum ist das dann bei einer Chemotherapie im Vergleich so einfach? Beendet ist beendet und nichts mit Ausschleichen. Ich finde, dass dann das Krankheitsbild einer psychischen Erkrankung und ihre Behandlung gleichgesetzt wird mit der Verabreichung von Drogen. Der psychisch Kranke wie ein Drogenabhängiger, der langsam den Entzug wieder einüben muss.

Und ist es nicht so, dass die Dosis auf lange Sicht eher erhört wird, weil die Wirkung nachlässt oder nicht mehr den guten Effekt zeigt wie zu Beginn oder im Anfangszeitraum der Gaben? Alles noch offen. Man erfährt viel zu wenig darüber. Und ist es nicht so, dass bei Beschwerden, die sich nicht klar diagnostizieren lassen, dann eben die Schlussfolgerung lautet: Es ist eine psychische Ursache, ein Hypochonder, der sich das alles nur einbildet? Und wenn dann das Psychopharmaka das körperliche Symptom lindert und die Besserung ja eintritt, dann hat man den Beweis, das es eine seelische Ursache ist. Und die Seele muss dann mit der Dauermedikation geheilt werden.

Es wäre ja dann nichts weiter als ein Rätsel der Biochemie, das ich mir stelle. Wie sie reagiert weiß doch eigentlich niemand. Denn die einen können das Medikament einfach wieder weglassen, die Besserung bleibt dann auch ohne Medikament stabil. Der gewünschte vorherige Zustand der Gesundheit hat sich durch eine vorübergehende Gabe wieder eingestellt. Das chemische Wunder ist eingetreten. Man weiß nicht warum? Eben nur die Chemie und sonst nichts. Also ist der ganze Seelenzustand nichts als Chemie oder ein Wechselfluss aus Chemie, Genen und Lebensumständen, ein Mischmasch, der auch mal nur mit Chemie reguliert werden kann.

Aber die Entscheidung liegt bei jeden selbst. Es kann auch der Fall sein, dass, wie bei mir, nach Absetzung der Psychopharmaka die Labilität weiterhin spürbar vorhanden ist. Ich weiß, dass ich im Vergleich zu anderen schneller auf Stress körperlich reagiere, ja auch schneller überhaupt den Stress wahrnehme. Ich weiß, dass mein Körper dann irgendwie beispielsweise mit Hautausschlägen reagiert oder dass ich eben sichtlich für meine Mitmenschen zu nervös werde. Also so belastbar, wie es wünschenswert wäre, das bin ich nicht. Aber diese Dauermedikation, die habe ich beendet, schon vor langer Zeit. Es ist ja auch nicht so, dass ich nicht verschiedene Medikamente ausprobiert hätte. Aber alles in allem kann ich sagen, dass sich mein Zustand auf Dauer so verschlechtert hat, dass ich jetzt ganz ohne diese Medikamente besser fahre. Es ist jetzt so, dass ich um eine Erfahrung reicher bin. Ich habe nur den Willen, mit meiner Schwäche gut umzugehen, was auch funktioniert. Ich drehe ja nicht irgendwie durch oder richte einen Schaden an mir selbst oder sonst was an. Es war einfach nur der Entschluss für mich selbst, der notwendig war. Ich wollte auf diese „Krücke“ verzichten, die mich nur noch mehr/weiter behindert hätte. Mit dem einen Handikap kann ich leben. Natürlich ist das keine Großerfolgsmeldung. Für mich reicht es, dass ich so das Schlimmste verhindert habe, denn diese Nebenwirkungen, die bei mir zwar lange nicht eintraten, dann aber doch zusehends für mich schleichend immer schlimmer wurden, so dass ich dachte, es ist ja schlimmer wie mein eigentliches Problem, haben eben zu diesem einsamen Entschluss geführt.  Und die alten ersten Symptome, die waren mit einer Verstärkung sogar auch wieder da. Es ist schon ein einsamer Entschluss, denn die Entscheidung, die kann einem wirklich keiner abnehmen. Weil das ganze Thema von Mensch zu Mensch unterschiedlicher nicht sein kann. Für mich muss ich sagen, dass die Medikamente ja auch eine gute Wirkung zeigten, sonst hätte ich sie erst gleich gar nicht genommen. Aber auf lange Sicht war es kein Gewinn. Mein Fazit lautet: Es gibt nichts. Es gibt kein Heilmittel. Lebe damit. Und was mich nicht umhaut, das macht mich stärker. Oder auch mal schwächer. Da gehe ich durch. Aber bitte nicht mit einer „Chemokrücke“, die nur eine Illusion ist. Und mir in meinem Fall keine Heilung versprochen hat, sondern weitere sehr unangenehme Beschwerden, die ich jetzt wieder los bin. Beschwerden sind zwar da, aber keine zusätzlichen, auf die ich verzichten kann. Mit denen ich nicht gerechnet hatte, weil ich ja zuerst eine Besserung bemerkt hatte. Diese hatte aber keinen weiteren Bestand. Das war das Trügerische, dieser Umschlag in ein Gegenteil von Nebenwirkungen und das ursprüngliche Problem war auch wieder da. Wo waren diese ursprünglichen positiven Hauptwirkungen. Sie waren verschwunden.

Ein dauerhafter Gewinn war es für mich nicht. Im Nachhinein war es ein Scheingewinn, denn einen Verlust musste ich ja verhindern, der teilweise schon eingetreten war. Aber die Grenzen sind nicht klar zu sagen. Das ist es ja, was es schwierig macht, das objektiv zu beurteilen. Man kann es wirklich nur subjektiv für sich selbst. Natürlich habe ich mich auch anderweitig informiert. Da war unter anderem auch das Internet für mich aufschlussreich. Aber ich weiß, die Meinungen darüber können unterschiedlicher nicht sein.

 

 

 

 

 

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