Erhellendes aus dem All

Rückblickend waren die Jahre, nicht zuletzt das Jahr 2016, von Krisen gebeutelt. Heute, am 04.01.2017, bin ich im Spiegel auf einen Artikel gestoßen, von Olaf Stampf, in der Ausgabe Nr. 1 / 30.12.2016.

Während des Lesens vergaß ich erst mal alle Probleme dieser Welt. Ich war wie elektrisiert. Hoffnung kam auf und sogar auch tröstliche Gedanken. So spannend kann Forschung sein. Obwohl ich auch denke, dass diese “All-Welten” unglaublich weit entfernt von der Erde sind, gibt mir das den Drive, den ich einfach brauche, die Welt, zu der für mich auch das Universum zählt, mal aus einer ganz neuen Perspektive zu sehen. Ja ich sage mir, wechsle doch einfach mal die Perspektive. Ich sehe das Leben dann wieder in dem Glanz, den “hellen” Rätseln, die die Wissenschaft und Forschung zu bieten hat.

Ich beginne mit dem Zitat der österreichischen Astronomin Lisa Kaltenegger, welches in dem Artikel am Ende steht:


“Je mehr wir über andere Planeten lernen, desto mehr lernen wir auch über unsere Erde – und wie wir besser auf sie aufpassen können.”


Anschließend noch der Buchtipp aus dem Artikel:

*Lisa Kaltenegger: “Sind wir allein im Universum? Meine Spurensuche im All”.

Ecowin; 208 Seiten; 29,95 Euro.


Text des Artikels:

“Leuchtende Aliens

Astronomie Ist der neu entdeckte Planet Proxima Centauri b eine zweite Erde? Mit einem Trick wollen Forscher dort nach Spuren von Leben suchen.

Auf dem fremden Planeten ist kein Land in Sicht. Nirgendwo gibt es einen Strand, auf den sanfte Wellen plätschern. Nirgendwo tauchen Kontinente aus den Fluten auf, nicht einmal kleinste Inseln.

Ein gigantisches Meer bedeckt die Oberfläche. An der tiefsten Stelle ist der allumfassende Ozean mehr als 200 000 Meter tief. Im Vergleich dazu wirken irdische Meere wie Pfützen.

So maritim könnte es auf Proxima Centauri b aussehen – sofern eine Klimasimulation französischer Astrophysiker zutrifft. Demnach handelte es sich bei dem kürzlich aufgespürten Himmelskörper, der ungefähr so schwer und groß ist wie die Erde und auf dem ein Jahr nur elf Tage dauert, um einen Ozeanplaneten. Flüssiges Wasser wiederum gilt als wichtigste Zutat für die Entstehung von Leben, wie wir es kennen.

Seit Wissenschaftler der europäischen Südsternwarte (Eso) im Sommer die Entdeckung der neuen Welt bekannt gaben, herrscht unter Himmelsforschern Aufbruchstimmung. Denn der Planet umkreist unsere Nachbarsonne – den nur 4,2 Lichtjahre entfernten Zwergstern Proxima Centauri. Nie zuvor haben Astrophysiker eine mögliche zweite Erde gefunden, die so nah ist. Dies bietet die Chance, dort Lebensspuren nachzuweisen.

Doch wie wahrscheinlich ist es wirklich, dass auf dem Planeten irgendwelche exotischen Organismen entstanden sind? Auch wenn die äußeren Bedingungen gut geeignet scheinen für eine Oase im All, so wird jegliches Leben von der eigenen Sonne bedroht: Proxima Centauri ist ein furchterregender Flackerstern.

Fast täglich speit er Feuer. Millionen Grad Celsius heiße Plasmafackeln schleudert er hinaus ins All. Bei solchen Ausbrüchen trifft bis zu 30-mal mehr zerstörerische UV-Strahlung seinen Planeten, als die Erde von ihrer Sonne abbekommt. Schwer vorstellbar, dass unter solchem Beschuss Leben existieren kann, selbst wenn eine dichte Atmosphäre einen Teil der Strahlung abschirmen sollte.

Vielleicht aber ist es doch möglich, dass Organismen das Dauerfeuer des glutroten Zwergsterns überleben – vorausgesetzt, sie verfügen über einen natürlichen Schutzmechanismus. Eine faszinierende Hypothese hat dazu die österreichische Astronomin Lisa Kaltenegger, 39, aufgestellt – ihre Idee eröffnet zugleich einen Weg, wie sich die Außerirdischen von der Erde aus nachweisen ließen. ‘So seltsam es klingen mag’, sagt Kaltenegger, ‘wir sollten nach leuchtenden Aliens Ausschau halten.’

Die temperamentvolle Forscherin leitet das Carl-Sagan-Institut an der amerikanischen Cornell-Universität. Sie entwickelt Nachweismethoden, um lebensfreundliche Planeten zu identifizieren. Wie nur wenige Forscher begeistert sie mit Vorträgen und Büchern für die Suche nach Leben im All*. Ihr aktuelles Gedankenexperiment hat sie sich zusammen mit ihrem Kollegen Jack O’Malley-James ausgedacht.

Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist ein real existierendes Vorbild auf der Erde: Einige Korallenarten besitzen die erstaunliche Fähigkeit, schädliche UV-Strahlung in harmloses sichtbares Licht umzuwandeln – sie fangen dann an, gespenstisch zu leuchten. Mit diesem Trick, eine spezielle Variante der Biofluoreszenz, schützen die Korallen empfindliche Algen, die mit ihnen in Symbiose leben.

‘Biofluoreszenz ist auf der Erde weitverbreitet; viele Tiere nutzen sie, um Beute anzulocken’, so Kaltenegger. ‘Umso wahrscheinlicher ist es, dass Organismen, die einem Flackerstern ausgesetzt sind, eine solche Fähigkeit entwickeln; an der Planetenoberfläche wäre ein natürlicher UV-Schutz für sie überlebenswichtig.’

Wenn auf Proxima Centauri b beispielsweise riesige Algenteppiche oder Quallenschwärme umherschwämmen, die bei UV-Beschuss sichtbares Licht abgäben, so könnten sie ihre Welt zum Leuchten bringen. ‘Bei jedem Strahlungsausbruch des Flackersterns würden solche fremdartigen Lebensformen farbenprächtige Signale hinterlassen’, sagt Kaltenegger. ‘Mit geeigneten Teleskopen könnten wir diese Lebensspuren von der Erde aus erkennen.’

Voraussetzung dafür wäre es, den Planeten direkt zu beobachten und sein Licht aufzufangen. Die heutigen Observatorien sind dazu noch nicht in der Lage. Erst die Himmelsaugen der nächsten Generation werden scharfsichtig genug sein. Die Planetenjäger setzen vor allem auf das ‘Extremely Large Telescope’ mit einem 39 Meter messenden Vergrößerungsspiegel. Bis zum Jahr 2024 will die Eso dieses größte jemals gebaute Spiegelteleskop auf einem Berg in der chilenischen Atacamawüste errichten.

Für Lisa Kaltenegger hat die Suche nach neuen Welten, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, auch eine wichtige irdische Dimension. ‘Je mehr wir über andere Planeten lernen’, so die Astronomin, ‘desto mehr lernen wir auch über unsere Erde – und wie wir besser auf sie aufpassen können’”.

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