Archiv der Kategorie: Schuld an der Krankheit der Psyche

#Dicke Luft ablassen

 

Nichts für schwache #Nerven, Steine ins Rollen bringen

Plauderei aus der #Psychoecke

Es ist wieder soweit. Heute über Problemthemen. Ich finde, dass es der Weg für mich ist, um, gewiss auch aus Eigennutz, die Dinge loszuwerden, die mich bewegen. Es treibt mich aber auch die Hoffnung, dass ich damit ein Steinchen ins Rollen bringen kann.

Es folgt ein riskantes und heikles Thema. Es geht um Psychiatrie. Weil ich viel auf Facebook bin und auch auf YouTube, bin ich auf dieses Thema gestoßen. Ist sogar schon etliche Zeit her. Es begann mit den Videos, die ich auf YouTube gesehen habe. Ich bin mir darüber im Klaren, dass man verschiedener Ansicht sein kann. Natürlich muss man hinterfragen und prüfen, das alles nochmals überdenken. Vollständige Gewissheit hat man nie. Es ist auch ein Tabu, immer noch. Es haftet ein Makel an der Psychiatrie. Wer begibt sich schon freiwillig nur um des Schockieren willens in solche Abgründe. Man kann auch insofern die positiven Aspekte in Betracht ziehen. Kann denken, dass es Heilung gibt und gab.

Ich möchte die Psychiatrie aber in diesem Blog mal äußerst kritisch unter die Lupe nehmen. Keine Sorge – ich werde keine Bilder oder Videos hier zeigen.

Ich möchte nur einen Anstoß geben, darüber einmal ganz offen zu sprechen. Nicht, um eine Kampagne zu betreiben gegen die Psychiatrie oder in sonst irgend einen Kampf zu ziehen.

Es tauchen für mich Fragen auf, die ich offen lassen möchte. Aus den Gedanken könnten, müssen aber nicht, mit Leuten, die Erfahrung damit haben (als Patient oder als Person, die sich für diese Krankengeschichten interessiert) neue Ideen erwachsen, die die Zweifel klären können, die ich damit habe. Denn ich will wissen, wer was davon hält, von Dauerbehandlung mit den Neuroleptika, Antidepressiva, Depotspritzen etc?

Zu der Zeit, als ich die Videos auf YouTube ansah, da war ich erschüttert, weil ich ja mit eigenen Augen das Geschehen verfolgte. Es war auch keine Doku mit einem chronologischen Ablauf einer Krankheitsgeschichte oder so in dieser Art.

Das Ganze war so authentisch, weil „direkt hineingefilmt“ wurde. Es ist schwer, das in Worte zu fassen, weil die Authentizität ja gerade durch dieses Abfilmen so spontan und live, quasi wie in einem Live Stream, in diesen „Szenen“ in Echtzeit ablief.

Und nun wird es unangenehm. Da war wirklich der Zwang, dieser Zwang des „Vogel friss oder wir zwingen dich, zu fressen“. Frisst du nicht,  dann jagen wir dir eine Spritze rein. Da war gar kein Gespräch, sondern nur Entweder Oder. Wenn Patienten sich beklagten, dass sie die Medikamente nicht vertragen, dann bekamen sie zur Antwort: „Warum sind Sie dann hier“. Die Patenten hatten Schmerzen, das konnte man sehen, und live ist eben live.

Das war so ohne echte Alternative. Ohne Medikamente lief da gar nichts. Gespräche wurden angeboten, aber nur mit der Bedingung der Befolgung des #Medikationsplans von Psychopharmaka. Dies war Hauptgegenstand, Gespräche wurden nur unter dieser Bedingung angeboten, was heißt, wer folgsam ist, der darf auch mal länger sprechen. „Ja, da ist dann die Freude wirklich groß. Der Barkeeper schenkt aus, kassiert ab, aber ein paar mehr trinken musst du schon. Sonst bleibt die Türe geschlossen für euch.“ Also doch keine Wahl, nur eine Scheinwahl. Nur diese Medikamente und wie, wann und wie hoch diese verabreicht werden, da existiert KEIN Mitspracherecht für die Patienten. Wer nicht pariert, der bekommt das nächste Mal die höhere Dröhnung verpasst.  Zweifeln verboten. Wer sich sträubt oder verweigert, hat mit der Verabreichung von mehr zu rechnen, weil Dummheit nur mit dem Damoklesschwert im Rücken kuriert werden kann.

Es war auch zu erkennen, dass nach Entlassungen, Zeitabständen danach, die Patienten wie im Drehtüreffekt wieder mit schlechtem Zustand dort erschienen. Ja es war sogar nicht einmal unbedingt die Zwangseinweisung. Der schlechte Zustand ließ den Patienten gar keine Option als eben wieder dort hin zurückzukehren.

In vielen Fällen hatten die Patienten versucht, die Medikamente in dieser Zeit zu reduzieren, was dann zu dem unerwünschten Rückfall führte. Ein Teufelskreis.

Und da entsteht bei mir schon die Frage, ob man so einfach sagen kann, dass eine psychische Erkrankung niemals geheilt ist. Da beißt sich doch die Katze in den Schwanz. Denn wozu sind eigentlich solche Medikamente dann da, wenn sie ein Leben lang genommen werden müssen. Ja das Leiden sich zusehends sogar verschlimmert. Also nicht wie bei einer chronischen Erkrankung, wo Medikamente das Leiden lindern. Nein im Gegenteil, das Leiden dieser psychisch Kranken schreitet – trotz Medikamenten – immer weiter fort. Die werden dort aus der Not heraus an Betten fixiert und viele wollen sogar lieber sterben, als diesen Teufelskreis noch weiter über sich ergehen zu lassen.

Qual mit Tabletten, Zwangsfixierung über sehr lange Abstände hinweg und Spritzen mit Gewalt. Ja – mit Gewalt – gegen den Willen der Patienten. Wo soll da der Sinn denn bestehen?

Es ist mir unerklärlich, wie das so umschlagen kann. Nehme ich an, dass die Wirkungen am Anfang eine Besserung bringen, so kann es auf Dauer doch zumindest mal überdacht werden, wann eventuell doch ein Moment in Erscheinung tritt, dass es in einen kontraproduktiven Prozess umschlägt.

Und nicht zuletzt aus eigener Erfahrung mit verordneten Neuroleptika, allerdings immer ambulant bei einem Facharzt und Gott sei Dank nie in einer Klinik, kann ich sagen, dass diese Wendung bei mit eingetreten war. Ich wusste, ich muss das beenden, denn die anfangs guten Wirkungen, die blieben dann über die Jahre, sogar etliche Jahre hinweg, immer weniger spürbar. Es kamen dann die Nebenwirkungen, wie ganz eigenartige Fuß- und Beinkrämpfe, was sich an meinem Körper so anfühlte, wie wenn sich da ein zweites Korsett bildet. Also es klingt jetzt verrückt. Und das ist ja dann auch die Bestätigung, dass der Patient wohl nicht ganz bei Trost sein kann.

Natürlich habe ich immer versucht, was am Anfang auch gut funktionierte und sowieso mein Hobby war, mich viel zu bewegen. Ich war sogar im Fitnessstudio und joggte viel. Aber ich merkte zusehends, wie sich die Beine nicht mehr so verhielten, wie ich es wollte.

Sogar mein Freund wies mich beim Stadtbummel darauf hin, dass ich beim Gehen schlürfe, also die Beine gar nicht mehr normal beim Gehen anhebe. Beim Treppensteigen oder beim Knien, wenn ich in einen unteren Aktenschrank einsortierte, länger mich am Boden aufhielt, bis ich fertig war. Das alles war kurz vor der Verkrampfung, aber ich hatte das immer noch irgendwie im Griff. Dann aber wurde es eben doch immer mehr und mehr bedrohlich, dass es wie eine Erstarrung gefühlt, immer in den Abendzeiten oder sogar während des Schlafes anfing. Ich kenne den Unterschied eines „normalen“ Beinkrampfes zu diesem ganz anderen Erstarrungskrampf. Auch von Intensität und Dauer mal ganz abgesehen.

Ich hatte sogar auch wieder Ängste und Sorgen, die ja ohne Medikamente auch schon zuvor existierten. Beim Arzt heißt es dann, dass man an Einbildungen leidet oder warum man sich denn so quält. Warum man die Medikamente nicht nimmt und warum immer der Versuch mit dem Reduzieren. Das ging dann so weit, dass ich gefragt wurde, ob ich eine Depotspritze möchte. Ich hatte mich aber mal alternativ bei einem Kurzgespräch bei einem Psychologen informiert und einen bedachten Hinweis bekommen, dass beim Spritzen ganz unerwünschte Wirkungen und Verschlechterungen eintreten könnten. Sicher wäre er sich aber nicht mit absoluter Gewissheit. Und Tabletten auf einen Schlag absetzen, das kann ganz fatale Folgen haben. Das braucht Zeit und muss ausgeschlichen werden. In dieser Zeit hörte ich das öfters mit dem Ausschleichen, nur einen Experten dafür konnte ich nicht finden. Landete dann wieder bei dem Facharzt und ließ mich nochmal auf die Tabletten in – von ihm erwogener – höherer Dosis ein. Und genau da war ich dann wieder soweit, wo ich eigentlich immer war. Die letzte Episode, bis ich mich entschloss, nie wieder auf diesem Weg, diese lasse ich mal aus. Nur so viel, dass er bei der Verabreichung der Tabletten nicht gerade zimperlich war. Eine hätte mir gereicht, aber es waren zwei. Nicht von den üblichen Tabletten, die ich sonst bekam. Ich muss aber auch sagen, dass ich in der Not dann auch bereit war, eine von diesen starken Tabletten zu nehmen. Schlug das sogar freiwillig vor, um das „super Angebot“ mit der Spritze zu vermeiden.

Das war es dann. Den weiteren Termin, der noch geplant war, den sagte ich ab. Ich hatte insofern dann danach Glück, dass ich die richtige Methode bei einem anderen Facharzt für Psychotherapie fand. Ich kam mit dem Willen dort an, die Tabletten abzusetzen, komme was wolle. Die Gespräche dort haben mir geholfen, an diesem Willen festzuhalten, mich von den vielen Bedenken, die man so hört, erst einmal zu distanzieren. Als ich mal meinte, es doch nicht zu schaffen, war die Frage wieder präsent und es wäre auch ein Weg gewesen, eben doch einzusehen, dass es anders nicht geht.

Ich möchte damit eigentlich nur Mut machen, dass es schon eine Alternative gibt, die da aber in meinem Fall hieß. Ja und jetzt kommt die allgegenwärtige Antwort eben doch wieder auf das Tablett. Es gab eine: Entweder Oder. Ja oder Nein. Ich entschied mich mal kurz wieder nach längerem konsequenten Nein für ein Ja. Ich hatte ja noch einen Restbestand. Aber dann dachte ich. Es bringt doch nichts. Es muss dauerhaft sein, sonst hört dieses Dilemma nie auf.

Nun sind diese Neuroleptika (Risperidon) Vergangenheit. Schon seit mehreren Jahren. Ich habe in meiner „Hochphase“ auch mehrere, neben Neuroleptika auch Antidepressiva, und auch verschiedene andere Arten von Tabletten „ausprobiert“.

Ganz am Anfang denkt man ja: Eines ist gewiss, der Arzt heilt. Also ich war wirklich so naiv, dass ich dachte, man nimmt ein Medikament eben vorübergehend, bis die Krankheit vorüber ist. Diese Frage aber blieb die ganze Zeit hübsch unberührt. Eben, dass die Krankheit ja eine chronische Medikamenteneinnahme ist, ja das ist die Bedingung zur Dauerheilung. Toll. Ich war wirklich der Ansicht, man nimmt ein paar Wochen ein Beruhigungsmittel. Dann kommt aber schon auch die Gesundung und Seele und Körper schafft das dann alleine wieder.

Ich mache  das jetzt ausgerechnet hier publik. Ich lese viel von Leuten, die Angehörige oder Bekannte von Patienten sind, solche „Psychogeschichten“. Sie wollen dann den Angehörigen oder Bekannten helfen. Psychisch Kranke selbst, habe ich auf YouTube auf Videogesprächen ebenfalls gefunden. Es waren zwei Personen, die sich darüber mal geäußert haben. Ich fühlte mich sofort verstanden, was mich noch weiter darin bestärkt hat, mich auf keine Medikamente mehr zu verlassen, und zwar für immer, was auch funktioniert.

Ich kenne jetzt eben meine Schwächen, aber ich mache mir einfach keine Vorwürfe mehr und lebe damit, dass ich in manchen Dingen von der gewünschten Norm abweiche. Der Makel hält sich auch in Grenzen und ist nicht dauerhaft. Aus der Schwäche bin ich längst raus und habe sie umgemünzt in eine Stärke. Ist fast so, dass ich mir jetzt einfach mehr erlaube wie früher. Aber vorsichtig bin ich immer noch.

Ich war lange Zeit gar nicht mehr bei diesem Thema und wollte es haken. Aber mich berührt es dennoch, wenn ich irgendwo noch solche schrecklichen Bilder aus Psychiatrien sehe. Ich denke so manches Mal noch darüber nach. Eben aus der Perspektive der Patienten auch. Und dann bin ich schockiert, weil ich ja nur einen Hauch dessen kenne, was gar nicht mit einer Fixierung oder einem Aufenthalt in einer Psychiatrie zu vergleichen ist. Am liebsten möchte ich den Deckel gar nicht mehr anheben. Weil ich da schon sehr mitgehe mit diesem Schmerz, dem die Patienten einfach ausgeliefert sind, eigentlich die Ohnmacht.

Und zum Schluss möchte ich noch sagen, dass dies auch nur eine Variante ist. Es gibt bestimmt (dies möchte ich den Leuten wirklich ganz selbst überlassen) Patienten, denen die Kliniken und Psychiatrien auch helfen mögen. Jeder Mensch und Körper, jede Psyche eben, hat eine ganz eigene Veranlagung. Keinen Facharzt möchte ich in Zweifel ziehen.

Das ist eben das alte Problem wahrscheinlich. Dass es zwischen Patient und Arzt Differenzen gibt. Ich bin das Beispiel par exellence dafür.

Letztlich haben ja beide Methoden, und das ist das Skurrile daran, die Wirkung geschaffen. Die Wirkung ohne Nebenwirkung. Die Dosis war ja dann auch der Hammer. So dosiert mit Fingerspitzengefühl möchte ich geradezu sagen. Es war der Hinweis im Geiste für mich: Mädel (also ich), wenn du immer erscheinst, dann denkt eben der Arzt sofort daran, wo es fehlt. Und an Tabletten fehlt es mir nicht mehr. Wo kein Bedarf, da keine Nachfrage.

So einfach ist das. Und der Idiot Patient ist keiner mehr, sondern er hat die Lektion begriffen. Sozusagen, wer nach dem „Hackebeilchen“ verlangt der bekommt auch eines. Und danach ist man aus dem Schlamassel raus.

Noch eine Nachbemerkung: Viele Zeitgenossen sind vielleicht auch gar nicht krank im Sinne von Hallizunationen oder Verlust von Identität oder Schizophrenie etc.

Die wirklich kranken und gefährlichen Psychopathen oder Soziopathen, vor denen man das Fürchten hat. Die finden diese Schleichwege, wie man eine kriminelle Macht über andere gewinnt. Sie würden auch erst gar nicht einen Arzt aufsuchen. Aber die kleinen Irrlichter, die unsicher sind, die meinen, irgendwie es nicht mehr zu bringen, oder auch die kleinen Querulanten, die gesellschaftlich nicht in das ach so feine Bild passen, die landen dann als Kranke auf dem Abstellgleis oder besser gesagt auf Geleisen, wo sie selbst wieder herausfinden können, dürfen und sollen.